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Prinzipienrede vom 20. April 2002

"Als ich im Wintersemester nach Regensburg kam, sagte man mir bald: Regensburg ist keine Stadt für Verbindungen. Tatsächlich, die Straßen sind nicht wie in Erlangen oder in Würzburg von wehenden Bannern traditionsreicher Studentenverbindungen geprägt. Der örtliche Unitas-Verein ist ein kleiner unter den vielen unitarischen Schwesterverbindungen in Deutschland und der Welt. Doch ich glaube, daß diese Anzeichen nicht beweisen, daß Verbindungen in Regensburg keine Chance haben. Das beste Zeugnis gibt mir ein Blick in unsere heutige Runde.

Und daher drängt sich mir als Mittelpunkt dieser Prinzipienrede die AMICITIA auf. Denn nicht zuletzt sind die beiden anderen Prinzipien nur die Basis für ein Zusammenwachsen, gerade für einen Neuling in unbekanntem Umfeld.

VIRTUS als christliche Lebensführung und SCIENTIA, das Streben nach Wissen und Bildung. Diese Grundüberzeugungen teilen die Unitarier. Sie leben nach ihnen.

In diesem Bewußtsein begegnete ich zunächst im Winter einigen Aktiven und schließlich einer ganzen Reihe von Alten Herren der Ratisbona.

Den einen traf ich in der Mensa, den anderen in einem Café, die Alten Herren in Falks Weinstube. Ich war der Neuling, doch war ich kein Fremdling. Überall merkte ich in ganz besonderem Maße, daß die Dinge, die mir mein Fuxmajor über die bundesbrüderliche Gemeinschaft beigebracht hatte, keine holen Phrasen sind.

Was ich damals spürte, war die Gewißheit eines gemeinsamen Grundverständnis-ses, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Woraus entsteht diese Empfindung?

Sie entsteht in der Aktivitas. In der Vereinigung von jungen und älteren Semestern, die gemeinsam studieren und ihre Freizeit miteinander verbringen. Sie entsteht aus den Streitereien, ob man die Bayernhymne vor der Nationalhymne singt, oder ob man Pizza oder Chinesisch für den Stammtisch bestellt.

Diese Erlebnisse binden aber auch einen kleinen Freundeskreis von Kommilitonen aneinander. Sie führen auch so für viele zu lebenslangen Freundschaften.

Woher also stammt das, was wir „unitarische Gemeinschaft“ nennen? Vielleicht von einem Praktikum, das man bei einem seiner älteren Bundesbrüder machen kann. Vielleicht von der Hilfe, die man durch einen Bundesbruder und Steuerberater bei seiner ersten Steuererklärung erfährt. Vielleicht auch durch das schon für den Akti-ven vorgezeichnete Netz, das ihn nach dem Abschluß seines Studiums aufnehmen wird. Als Beispiel sei die Korrespondenzvereinigung „Rechtsanwälte-Unitas“ genannt.

Es sind zweifellos viele Gründe, die den Fux bei seinem Bund bleiben lassen, die ihn Verantwortung übernehmen und seine Mutterverbindung prägen lassen.

Am Ende steht allemal das, worüber ich mich bei meiner Ankunft in Regensburg freuen konnte: Den Lebensbund Unitas."

Marcus Dyba